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Die Sommer werden heißer und die Hitzeperioden länger – Unwetter und Starkregen wechseln sich mit Hitzewellen und Trockenphasen ab. Der Klimawandel ist sowohl auf dem Acker als auch in deutschen Ställen angekommen. Landwirte sind beim Thema Klimawandel oft die ersten Betroffenen in der Kette. Wenn auf dem Acker alles vertrocknet, leiden auch die Kühe unter der Hitze. Was kann man gegen Hitzestress im Stall tun?

Die Grundprinzipien zu Hitzestress bei Kühen kennen wir inzwischen wohl alle:

Belüftung muss gegeben sein (Luftzirkulation)

Bei Neubauten wird meist beachtet, dass ein Kuhstall maximal 16 Meter breit ist und nach Ost/West geöffnet, damit der Wind den Stall auf natürliche Weise bestmöglich kühlt. Melkhaus usw. werden geschützt an die Seite des Stalls gesetzt, um die Luftzirkulation nicht zu behindern. Die Ställe werden mit hohem Dach, offenen Außenwänden (mit Curtains zum Kälteschutz) und ausreichendem Abzug gebaut.

Ventilatoren oder Belüftungsschläuche sorgen für weitere Luftbewegung, auch in älteren Ställen.

Bei Ventilatoren ist die Platzierung genau zu beachten: Bei falscher Platzierung kann die Lautstärke und der Zug des Ammoniaks in der Luft für Mensch und Tier unangenehm werden.

Bei Belüftungsschläuchen kann durch das Kondenswasser ein Biofilm entstehen, der mit in der Luft verteilt wird. Regelmäßige Wartung und Reinigung sind hier unerlässlich.

Genügend Schattenplätze

Auch wenn Kühe schwitzen können, haben sie sehr wenige Schweißdrüsen. Statt Schwitzen hat die Kuh andere Mechanismen um ihren Organismus zu kühlen. Über das sogenannte Hecheln geben sie viel Wärme ab. Dabei erhöht die Kuh ihre Atemfrequenz und verdunstet dadurch Wasser über die Atemwege. Auf Dauer kann das allerdings die Lunge stark beanspruchen.

Die Kuh schaltet generell in den „Energiesparmodus“. Sie isst und trinkt also auch weniger und versucht so weniger Wärme zu produzieren. Das bedeutet in der Konsequenz eine geringere Milchleistung.

Bei beiden Faktoren können wir die Kuh nur geringfügig unterstützen.

Der dritte Mechanismus der Kühlung ist die Wärmestrahlung. Die Kuh strahlt über ihre Körperoberfläche Wärme an die kältere Umgebung ab. Deshalb meiden Kühe häufig direkten Körperkontakt zu anderen Tieren und liegen am liebsten im Schatten. Genug schattige Plätze an allen Aufenthaltsorten der Kuh, können also dafür sorgen, dass die Wärmestrahlung besser funktionieren kann. Zudem können die Risiken für Sonnenbrand und Hitzeschlag mit genügend Schatten reduziert werden.

Fütterung anpassen

Die Fütterung ist eine Wissenschaft für sich und macht einen Großteil des Wohlergehens der Kühe aus. Ist die Silage im Sommer feucht und warm, vermehren sich die Keime darin exponentiell. Das kann zu einer starken Belastung der Kühe führen. Deshalb ist es wichtig, die Qualität der Silage genau zu prüfen.

Es wird empfohlen häufiger kleine Portionen vorzulegen und die Hauptfütterung auf den Abend, bzw. kühlere Zeiten zu verlegen. Auch kann es helfen die Energiedichte zu erhöhen oder Zusätze zuzufüttern.

Was gibts Neues bei Hitzestress?

Seit die Wetterlagen extremer werden, wird auch klar: Das reicht nicht. Es benötigt mehr um den Hitzestress der Kühe zu reduzieren. Deshalb wurden in den letzten Jahren weitere Maßnahmen entwickelt, die zu einem kühleren Stallumfeld beitragen können:

Beregnung

Es gibt einige Anbieter, die eine Beregnung im Kuhstall anbieten. Die Kühe werden dabei mit Wasser bespritzt und können so über die Verdunstungskühlung ihren Organismus kühlen. In den USA werden in Großbetrieben die Kühe teils 30 Sekunden komplett beregnet und dann mit einem kontinuierlichen regulierten Luftstrom gekühlt, genannt „Soakting and Airflow“.

Vorteile:

Eindeutiger Kühlungseffekt

Kühe mögen Nässe bei Hitze

Geringe Investitionskosten im Vgl.

Nachteile:

Nasse Böden und damit erhöhtes Risiko für Klauenkrankheiten

Feuchte Liegeboxen möglich, bedeutet erhöhtes Risiko für Euterentzündungen

Kühe mögen Nässe nur bei Hitze, wenn sie keine andere Wahl haben

Saunaeffekte im Stall

Hoher Wasserverbrauch

Hoher Wasseranteil in der Gülle

Verneblung

Ähnlich der Beregnung wird bei der Verneblung Wasser durch Düsen in den Stall gepumpt. Bei der Verneblung werden eine Hochdruckanlage und feine Düsen verwendet. Ein feiner Sprühnebel wird in die Stallluft gepumpt und so die Temperatur gekühlt. Der Effekt auf der Kuhhaut ist ähnlich der Beregnung, nur wird die Kuh nicht nass.

Vorteile:

Eindeutiger Kühlungseffekt

Geringer Wasserverbrauch

Kein nasser Stallboden

Nachteile:

Im Vgl. hoher Energieverbrauch

Bei schlechter Belüftung Saunaeffekt möglich

Teils höhere Investitionskosten

Früherkennung durch digitales Monitoring

Durch Transponder im Kuhmagen, Sensortechnik am Halsband/Ohrmarke oder Überwachung kann kontinuierlich das Wohlbefinden der Kuh kontrolliert werden. Überwachungssysteme können teils die Atemfrequenz und Körpertemperatur messen und bei Ausschlägen Meldung machen. Durch die Früherkennung kann der Landwirt reagieren bevor die Kühe wirklich leiden und Gegenmaßnahmen aktivieren.

Vorteile:

Frühes Eingreifen kann schneller helfen

Meldesysteme in digitaler Form

Einschätzung der Situation

Nachteile:

Teils hohe Investitionskosten und laufende Kosten

Ungenaue Messwerte

Gesundheitliche Spätfolgen bei Kühen teils nicht über lange Zeit untersucht

Zusätzlich kann eine Wetterstation mit spezieller Software helfen, Landwirte frühzeitig vor Wetterumschwüngen zu warnen, oder, gleich an das Smart Farming System angeschlossen, die Stalltechnik entsprechend ansteuern.

Wasseraufbereitung

Was in den meisten Geflügelställen und Schweineställen schon lange Standard ist, ist in vielen Kuhställen noch Neuland. Wasseraufbereitung und das nicht nur für die Maschinen, also um z.B. Kalk zu reduzieren, sondern um den Kühen ein sauberes und süffiges Wasser anzubieten, gibt es noch selten.

Wasser wird umgangssprachlich als das günstigste Kraftfutter bezeichnet. Pro Kilo Futter säuft eine Kuh durchschnittlich drei bis fünf Liter Wasser. Durch eine ausreichende Wasseraufnahme kann, vor allem bei Hitzestress, der Organismus entlastet werden. Kühe verlieren durch das Hecheln über die Atemwege zusätzlich Wasser. Deshalb kann die Wasseraufnahme von rund 100 Litern pro Tag auf bis zu 150 Liter pro Tag ansteigen.

 

Daraus ergibt sich auch das Problem, das sich im Sommer bei warmen Temperaturen und hohem Wasserbedarf offensichtlich zeigt: mangelhafte Tränkehygiene. Von offizieller Stelle wird in diesem Zeitraum empfohlen, dreimal am Tag die Tränken zu putzen. Arbeitswirtschaftlich ist das aber in den wenigsten Betrieben möglich. Vor allem wenn die Erntezeit auf die Hitzewelle trifft, ist es kaum möglich das Pensum zu bewerkstelligen. An dieser Stelle kann es nützlich sein, auf eine Wasseraufbereitung zurückzugreifen, die den Biofilm löst, Keime und Bakterien in Leitung und Tränke abtötet und dabei das Wasser für die Kühe süffig macht.

Ist das Wasser in der Tränke sauber und keimreduziert, saufen die Kühe lieber und mehr.

Welche Methoden zur Wasseraufbereitung gibt es?

Es gibt:

  • Physikalische Aufbereitungsverfahren (z.B. Filtration, Umkehrosmose)
  • Chemische und biologische Aufbereitung (Desinfektion, Oxidation, Säurung)
  • Wartungsmaßnahmen (Standleitungsdesinfektion, Reinigung der Endverbrauchsstellen)

Um die Wasserqualität an der Endverbrauchsstelle Tränke zu verbessern, können einige der Methoden, teils auch miteinander kombiniert, funktionieren.

Die Kriterien, die die Wasseraufbereitung für Kühe erfüllen sollte:

  • Starke Reduzierung von Biofilm in Leitungen und Tränke
  • Geschmacksneutral (Kühe haben einen sehr guten Geruchssinn)
  • Arbeitseffizient
  • Kosteneffizient
  • Zuverlässige Leistung
  • Aufspaltung der Mineralien (um die raue Oberfläche für den Biofilm dauerhaft zu vermeiden)

Physikalische Verfahren können Mineralien und Keime im Wasser reduzieren bevor sie in die Wasserleitungen des Stalls kommen. Es kann eine Keimreduzierung bis hin zur Tränke stattfinden, allerdings ist diese häufig nicht zufriedenstellend. Die Anlagen sind oft teuer und pflegeintensiv, dafür bleibt das Wasser meist geschmacksneutral.

Die chemische Aufbereitung klingt für den Kuhstall am vielversprechendsten. Es gibt auch hier wieder verschiedene Methoden:

Ozon zum Beispiel ist von den chemischen Eigenschaften nahezu optimal, allerdings bei dem geringsten Fehler auch hochgefährlich. Deshalb wird es in der Praxis eher selten eingesetzt.

Am häufigsten findet man in der Praxis wohl Chlorvariationen. Chlor riecht stark sobald es reagiert. Die Reaktion erfolgt meist sofort. In den Tränken ist es, bis auf den Geruch, kaum nachweisbar. Zur Desinfektion der Leitungen ist es geeignet, es können sich allerdings Resistenzen bilden. Chlordioxid muss meist vor Ort erst angemischt werden und hat dann nur eine kurze Lagerstabilität. Zudem wirkt Chlor nicht gegen Mineralienablagerungen.

Wasserstoffperoxid wird ebenfalls häufig eingesetzt. Stabilisiertes Wasserstoffperoxid ist meist 2 Jahre lagerstabil, reagiert aber sofort, sobald der Behälter geöffnet wird. Wasserstoffperoxid spaltet Mineralien auf, sie bleiben aber im Wasser verfügbar. Keime und Bakterien werden effektiv abgetötet. Der eindeutige Nachteil: Wasserstoffperoxid verbraucht sich zu schnell. An der Tränke kommt kaum etwas an.

Die Wirkstoffkombination aus Wasserstoffperoxid und Silberchelat merzt diese Nachteile aus. Der Zusatz von Silberchelat verändert die Wirkung von Wasserstoffperoxid stark. Silberchelat ist dabei um einiges stabiler als normale Silbersalze. Das Silberchelat stabilisiert das Wasserstoffperoxid, sodass es bis in die Tränke stabil bleibt. Es verfliegt nicht sofort beim Öffnen des Behälters, sondern erst wenn es auf Keime, Bakterien, Legionellen oder Mineralien trifft. So funktioniert auch die Atla Wasseraufbereitung mit HydroFit.

Die Atla Wasseraufbereitung pumpt HydroFit, ein Wasserstoffperoxid mit Silberchelat, kontinuierlich in den Wasserfluss ein. Die Atla lässt sich ppm-genau einstellen. Sie dosiert HydroFit zuverlässig in den Wasserkreislauf ein. HydroFit reagiert, sobald es auf organisches Material trifft, bleibt aber sonst auch im Wasser stabil. Wenn keine Standleitungsdesinfektion durchgeführt wurde, beginnt HydroFit direkt nach Eindosierung in die Leitung gegen den Biofilm zu wirken. Mit der Zeit arbeitet es sich weiter durch die Leitungen vor bis in die Tränke. HydroFit oxidiert und erstickt je nach Dosierung einen Großteil der Keime, Sporen, Legionellen, Viren, Bakterien usw. im Wasser. Mineralien wie Kalk, Magnesium, Calcium, Natrium usw. flocken aus, setzen sich also nicht mehr fest, bleiben aber im Wasser weiterhin erhalten. Aus Mangan wird geschmacksneutrales Manganoxid, das sich nicht mehr ablagert. Das sorgt dafür, dass die Leitungen konstant sauberer bleiben und damit auch die Tränken. Eine Keimübertragung von Kuh zu Kuh wird ebenfalls minimiert, da HydroFit ja erst reagiert, wenn es auf „den Feind“ trifft. Im Maul der Kuh kommt aufgrund der geringen Dosierung hingegen schon kein HydroFit mehr an, weil sich potenzielle letzte Reste gegen den Speichel verbrauchen.

Fazit: Die Kühe haben auch bei heißen Temperaturen süffiges Wasser, selbst wenn das Tränkeputzen einmal ausfällt

Was kann man also noch alles gegen Hitzestress machen?

Überwachen, Lüften, für gutes Futter und Wasser sorgen und genug Schatten bieten sind inzwischen Grundvoraussetzungen. Mit diesen Maßnahmen können die Kühe den Hitzestress schon besser vertragen.

Verneblung oder Beregnung können weitere Hilfsmittel sein. Deren Vor- und Nachteile allerdings erst genau abgewogen werden sollten.

Weiterführende Quellen:

https://www.vetmeduni.ac.at/forschung/aktuelles-aus-der-forschung/abkuehlen-im-tierreich-die-tricks-der-tiere

https://www.fao.org/4/x6500e/x6500e12.htm

https://extension.msstate.edu/sites/default/files/publications/publications/P3465_web.pdf

https://www.dlg.org/mediacenter/dlg-merkblaetter/dlg-merkblatt-450-hitzestress-bei-milchvieh

https://www.ksre.k-state.edu/news-and-publications/news/stories/2024/09/cattle-chat-environmental-influences-on-herd-health.html

https://www.asi.k-state.edu/doc/dairy/evaluating-selecting-cooling-systems-for-different-climates.pdf

https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/en/home/news/newsroom/2025/06-27_hilfe-fuer-milchkuehe-im-hitzestress.html