Fragen und Antworten

Fragen rund ums Thema Tränkewasser

Welche Rolle spielt Wasser in der Nutztierhaltung?

Wasser gilt als das wichtigste und auch günstigste Grundnahrungsmittel. Eine ausreichende Wasseraufnahme der Tiere sorgt für einen stabilen Kreislauf, ist essensiell wichtig für ein gutes Immunsystem, fördert Hitzeresillienz und vieles mehr.

Saufen die Tiere nicht genug kann das, ebenso wie beim Menschen, weitreichende Auswirkungen haben. Neben verminderter Leistungsfähigkeit und enormen Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System, kann eine zu geringe Wasseraufnahmemenge kurz- und langfristig zu diversen Krankheiten führen.

Um eine ausreichende Wasseraufnahmemenge zu gewährleisten gibt es einige Faktoren bezüglich Wasserqualität und Wasserverfügbarkeit zu beachten.

Was ist Tränkewasser?

Als Tränkewasser bezeichnet man Trinkwasser für Tiere. Nutztiere trinken Wasser aus einer Tränke, daher kommt auch der Begriff. Es gibt verschiedene Versionen von Tränken für Stall und Weide.

Tränkewasser unterliegt nicht der Trinkwasserverordnung sondern der Futtermittelhygieneverordnung. Für Tränkewasser gelten deshalb andere Vorraussetzungen wie für Trinkwasser. Häufig ist die Wasserqulität bis in den Stall gleich. Tränkewasser wird häufig erst durch die Kontamination in der Tränke qualitativ verschlechtert.

Was sind die Anforderungen an Tränkewasser?

Da Tränkewasser rechtlich gesehen der Futtermittelhygiene untergeordnet ist, gelten andere Anforderungen als an Trinkwasser. Es gilt die Verordnung (EG) Nr. 178/2002 und die Verordnung (EG) Nr. 183/2005 (Futtermittelhyigeneverordnung) der EU. Die spezifischen Vorschriften sind in Anhang III “Gute Fütterungspraxis” im Abschnitt “Futtermittel und Wasser” der Futtermittelhygiene-Verordnung zu finden.

Zusammengefasst:

  • Das Wasser muss für Tiere geeignet sein.
  • Tränken müssen so konstruiert und angebracht werden, dass Kontamination minimiert wird.
  • Tränkesysteme müssen regelmäßig gereinigt und instand gehalten werden.
  • Das Wasser muss schmackhaft, verträglich und verwendbar sein.
  • Tränkewasser sollte in ausreichender Menge und geeigneter Qualität zur Verfügung stehen.

Welche Faktoren zur Wasserqualität im Tränkewasser muss ich beachten?

Die Wasserqualität von Tränkewasser muss nicht der Qualität von Trinkwasser entsprechen. Ob das Wasser aus dem eigenen Brunnen kommt oder Kommunalwasser verwendet wird ist hier egal.

Allerdings gibt es auch hier Faktoren die eingehalten werden sollten:

Das Wasser sollte schmackhaft, verträglich und verwendbar sein.

Daraus resultieren die einzuhaltenden Rahmenbedingungen. In der Literatur lassen sind einige Empfehlungen bezüglich der Grenzwerte von Bakterien, Mineralien usw. im Wasser finden. Letztendlich sollte das Wasser eine so gering wie mögliche Gesamtkeimzahl aufweisen und von den Inhaltsstoffen für Nutztiere geeignet sein.

Welche Faktoren zur Verfügbarkeit von Tränkewasser im Kuhstall muss ich beachten?

Tränkewasser sollte stets verfügbar sein. Wasser sollte den Nutztieren jederzeit zur Verfügung stehen. Die benötigte Menge varriert je nach Tierart.

Für Milchkühe zum Beispiel gilt:

  • Je 20 Kühe im Laufstall sollte eine Tränke installiert sein.
  • Es sollten je Tier 10cm Troglänge zur Verfügung stehen.
  • Die Tränken sollten mit einem maximalen Abstand von 20m im Stall verteilt sein.
  • Die Zulaufgeschwindigkeit des Wassers zur Tränke sollte rund 30 Liter pro Minute betragen.
  • Das verfügbare Wasser sollte von ausreichender Qualität sein.

Was ist die Futtermittelhygieneverordnung?

Die Futtermittelhygieneverordnung ist ein zentrales europäisches Regelwerk, das Vorschriften für die Hygiene und Sicherheit von Futtermitteln auf allen Produktions- und Handelsstufen festlegt. Ihr Hauptziel ist es, ein hohes Schutzniveau für die Gesundheit von Mensch und Tier zu gewährleisten.

Wie viel Wasser braucht/säuft eine Milchkuh?

Eine Milchkuh säuft 80 bis 150 Liter pro Tag. Die Wasseraufnahme kann sich auch mit der Futteraufnahme gegenseitige beeinflussen. Wasser gilt hier als das wichtigste Futtermittel. Eine Faustformel besagt, dass eine Kuh pro Kilo Trockemasse 3-6 Liter Wasser aufnehmen sollte.

Es lässt sich beobachten, dass Kühe vor allem nach dem Melken direkt Wasser saufen. Sie bevorzugen dabei freie Wasseroberflächen und tauchen das Maul circa 4 cm ein. Eine Kuh hat durchschnittlich pro Tag circa 9 Trinkvorgänge die je 30 Sekunden andauern.

Wie sollte der Wasserzufluss im Stall sein?

Kühe saufen vergleichsweise schnell. Sie können pro Minute bis zu 20 Liter aufnehmen. Deshalb sollte die Zulaufgeschwindigkeit bei mindestens 25-30 Liter pro Minute liegen. Saufen mehrer Kühe gleichzeitig kann der Zufluss schnell an seine Grenzen kommen.

Welche Arten von Tränken gibt es?

Im Kuhstall gibt es diverse Arten von Tränken. Jede hat ihre eigenen Vor- und Nachteile.

Zungentränken,Ventiltrogtränke oder Drucktränken haben in der Regel den Vorteil, dass sie nicht so schmutzig werden und immer frisches Wasser verfügbar ist. Dafür kann die Kuh ihr natürliches Trinkverhalten nicht aufrecht erhalten, da sie das Maul nicht eintauchen und 20 Liter pro Minute saufen kann.

Trogtränken mit Kippmechanismus oder Ablaufstopfen ermöglichen der Kuh ein natürliches Trinkverhalten. Tränken, bei denen der Schwimmerkasten leicht zu öffnen ist, können ebenfalls gut gereinigt werden. Das ist bei dieser Art von Tränken allerdings auch nötig, denn hier dann sich Biofilm gut ansetzen.

Auf der Weide lassen sich neben Trogtränken auch Klappen- oder Balltränken finden. Auf der Weide ist die Bereitstellung von frischem, keimarmem Wasser häufig eine weiter Herausforderung.

Wie oft sollte die Tränke im Kuhstall gereinigt werden?

Laut empfehlung offizieller Quellen sollen Tränken zwei bis drei Mal am Tag geputzt werden. Vor allem im Sommer kann sich der Biofilm sonst schnell vermehren. Tränken sollten aber auf jeden Fall einmal täglich gereinigt werden, um kein gesundheitliches Risiko darzustellen.

Woran erkenne ich, dass die Wasserqualität in der Tränke problematisch ist?

Die Wasserqualität in der Tränke ist als kritisch anzusehen, wenn sich schleimige Beläge bilden, Trübung, Verfärbung, unangenehmer Geruch oder öliger Glanz auf Oberfläche in der Tränke zu erkennen sind.

Es kann auch durch eine verminderte Wasseraufnahmemenge der Kühe erkenntlich werden. Saufen die Tiere viel weniger als üblich oder als sie in ihrer Laktationsphase sollten, kann das ein Indikator für schlechte Wasserqualität sein. Meiden Kühe zudem nur eine oder bestimmte Tränken sollten hier ebenfalls Untersuchungen angestellt werden.

Hier sollte unbedingt das Tränkewasser (also wirklich das Wasser in der Tränke) getestet werden.

Welche Marker in der Wasserauswertung sind für die Tierhaltung wichtig?

Eisen (), Mangan (), Kalk (), Arsen sowie die allgemeine Keimzahl (TVC). Bei spezifischen Beschwerden sollten auch einzlen Keime wie E.Coli, Pseudomonaden und so weiter untersucht werden.

Woher kommen die Krankheitserreger in der Tränke?

Die Krankheitserreger im Wasser kommen vom Tier (Speichel/Nase/Kot), aus der Umgebung (Staub/Luft) oder aus dem Wasser selbst.

Der Biofilm in der Tränke nährt sich von den Keimen die aus dem Maul der Tiere beim Saufen ins Wasser gelangen. Der Biofilm bietet allen Keimen ein “Zuhause” und wächst stetig. Dabei kann er auch gegen die Flussrichtung von Wasser weiterwachsen. Die Keime können sich so in einem sicheren “Zuhause” direkt im Zulauf zur Tränke ansiedeln und immer wieder neu eingespült werden.

Was ist Biofilm?

Biofilm ist ein schleimig, schmieriger Belag, der sich oft als grün-braune, glitschige, zähe Schicht darstellt.

Er setzt sich aus Mikroorganismen (Bakterien, Pilze, Algen), ihren Stoffwechselprodukten und anorganische Substanzen im Wasser (Kalk, Eisen, Mangan) zusammen.

Im Biofilm können sich krankmachende Keime wie Legionelllen, Pseudomonas aeruginosa, Enterokokken, salmonellen, E-Coli, Listerien, Coliforme Bakterien, E-Coli, MRSA, CRB ansammeln. Er haftet auf rauen Oberflächen besonders gut.

Welche Mikroorganismen bilden Biofilm?

Biofilm setzt sich aus Mikroorganismen (Bakterien, Pilze, Algen), ihren Stoffwechselprodukt und anorganische Substanzen im Wasser (Kalk, Eisen, Mangan), organisches Material (Futterreste) zusammen. Krankmachende Keime wie Legionelllen, Pseudomonas aeruginosa, Enterokokken, salmonellen, E-Coli, Listerien, Coliforme Bakterien, E-Coli, MRSA, CRB und viele mehr finden im Biofilm ihr “Zuhause”.

Woher kommt der Biofilm?

Entgegen häufiger Annahmen kommt der Biofilm nicht automatisch aus dem Wasser. Er bildet sich meist erst in der Tränke und krabbelt dann rückwärts bis er ins ganze Rohrleitungssystem eingezogen ist.

Biofilmzyklus:
Nährstoff-Import: Das Rohrinnere ist normalerweise „nährstoffarm“ (oligotroph). Durch das Maul des Tieres (Speichel, Futterreste) gelangen massiv Nährstoffe in die Tränke.

Rückstrom-Effekt:
Durch Diffusion oder aktives „Krabbeln“ der Keime wandert der Biofilm entgegen der Fließrichtung zurück in das Leitungssystem.

Das “Sloughing” (Abstoßen):
Wenn der Biofilm zu dick wird oder der Wasserdruck schwankt, lösen sich ganze Brocken (Keimbomben) ab, die dann wieder in die Tränke gespült werden. Das Tier nimmt dann mit einem Schluck eine massive Keimfracht auf, was das Immunsystem (und den TVC-Wert) belastet.

Was sind die Ursachen für das Anheften eines Biofilms?

Ursachen sind Verschmutzungen im Wasser und der Tränke, die sich dann zu Keimkollonien zusammenfinden.

Rauheit der Oberfläche (Korrosion), Wärme ( °C), niedrige Fließgeschwindigkeit oder stehendes Wasser begünstigen das Wachstum von Biofilm.

Wie gefährlich ist Biofilm?

Biofilm kann aus vielen verschiedenen Bakterien bestehen. Deshalb ist eine genaue Einschätzung ohne eine aktuelle Analyse des Tränkewassers schwierig.

Biofilm kann, wenn sich zum Beispiel E-Coli Keime darin ansammeln, ernsthafte Auswirkungen auf die Kuhgesundheit haben. Ein gewisses Maß kann das Immunsystem der Tiere meist ab, allerdings ist die kritische Menge je nach zusammensetztung recht gering.

Schon kleine Mengen an Biofilm können den Geschmack des Wassers allerdings schon negativ beeinflussen und dadurch die Wasseraufnahmemenge stark reduzieren.

Wie kann man den Keimgehalt im Tränkewasser reduzieren?

Zunächst sollte eine aktuelle Wasseruntersuchung des Tränkewassers vorliegen. Dabei sollte eine Probe aus der Tränke entnommen werden, vor dem reinigen.

Um den Keimgehalt zu reduzieren, sollte die Tränke täglich gereinigt werden, am besten mehrfach. Für eine dauerhafte Lösung empfehlen wir die Alta Wasseraufbereitung.

Quellen

https://www.dlg.org/mediacenter/dlg-merkblaetter/dlg-merkblatt-498-wasserversorgung-fuer-rinder-bauliche-technische-und-bedarfsgerechte-loesungen

https://www.schaumann.de/tierfuetterung/hygiene-konservierung/sauberes-traenkewasser-ein-schluessel-fuer-mehr-erfolg-im-stall-38808

https://www.bmleh.de/DE/themen/tiere/futtermittel/orientierungsrahmen-traenkwasser.html

https://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/tiergesundheit/sgd/traenkwasser.htm

https://www.hausjournal.net/biofilm-wasserleitung-entfernen

https://trinkwasserhygiene-bayern.de/biofilm-in-trinkwasseranlagen-unsichtbare-gefahr-fuer-die-hygiene/

https://www.test-wasser.de/blog/wasser-gesundheit/biofilm-entfernen/

https://www.umweltbundesamt.de/traenkwasserversorgung-im-stall

https://www.gefluegelnews.de/article/tiergesundheit-beginnt-beim-wasser-so-wichtig-ist-trankehygiene

https://www.milchpur.de/video-on-demand/optimale-wasserversorgung-im-milchviehstall/

https://www.tgd-bayern.de/RGD-EGD/Fachbeitr%C3%A4ge/Tr%C3%A4nke_BLW21.pdf

https://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/technik/haltungsverfahren/wasserversorgung.htm

https://www.dlg.org/fileadmin/downloads/Merkblaetter/dlg-merkblatt_498.pdf

https://www.proteinmarkt.de/aktuelles/details/news/traenkwasserqualitaet-von-rindern-the-good-the-bad-and-the-ugly

https://www.rgs-ntgs.ch/cust/files/8A5/Kamphues_Landbauforschung2007_Beurteilung%20von%20Traenkewasser1.pdf

https://www.dlg.org/fileadmin/downloads/Merkblaetter/dlg-merkblatt_399.pdf

https://carela.com/wp-content/uploads/2022/01/gwf-Wasser-Abwasser-Biofilme.pdf

https://www.rgs-ntgs.ch/cust/files/8A5/Kamphues_Landbauforschung2007_Beurteilung%20von%20Traenkewasser1.pdf