Die Sommer werden heißer und die Hitzeperioden länger – extreme Wetterlagen wie Trockenphasen und Hitzewellen gehören mittlerweile zum betrieblichen Alltag in der Landwirtschaft. Wenn die Temperaturen steigen, gerät das hochleistungsfähige Rind schnell an seine physiologischen Grenzen. Entgegen landläufiger Meinungen setzt Hitzestress bei Hochleistungskühen nicht erst im Hochsommer, sondern in Verbindung mit hoher Luftfeuchtigkeit bereits ab einer Umgebungstemperatur von etwa 20 °C ein. Die Tiere reagieren darauf mit einer reduzierten Futteraufnahme, einer erhöhten Atemfrequenz („Hecheln“) und einer generellen Senkung der Stoffwechselaktivität. Die unmittelbare Konsequenz ist ein Sinken der Milchleistung.

Neben den bekannten Grundprinzipien – wie einer optimierten Luftzirkulation durch Ventilatoren, dem Bereitstellen von ausreichend Schattenplätzen und der Anpassung der Fütterungszeiten – rücken zunehmend technische Systeme wie Beregnung, Vernebelung oder digitales Monitoring in den Fokus. Ein zentraler Faktor wird beim Hitzemanagement jedoch häufig unterschätzt: Die Versorgung mit hygienisch einwandfreiem Tränkewasser. Sie ist in der Landwirtschaft das Fundament, damit sowohl die körpereigene Thermoregulation der Kuh als auch wasserbasierte Kühltechniken zuverlässig funktionieren.

Steigender Wasserbedarf: Anforderungen an die Tränkenlogistik

Um die Körpertemperatur über die Atmung und die Haut zu kühlen, verdunstet die Kuh große Mengen Flüssigkeit. Der Wasserbedarf einer laktierenden Kuh steigt an heißen Tagen auf 120 bis zu 180 Liter pro Tag, in Spitzenzeiten sogar darüber hinaus. Da Kühe ihr Saufverhalten in kurzen, intensiven Phasen – primär direkt nach dem Melken oder der Futteraufnahme – organisieren, muss jede Tränke im Stall eine ausreichend hohe Durchflussrate aufweisen.

Bei Trogtränken ist im Sommer eine Nachlaufmenge von mindestens 20 Litern pro Minute erforderlich, damit der Wasserspiegel auch bei Gruppenbetrieb nicht absinkt. Neben der reinen Menge entscheidet die Platzierung über den Erfolg: Kühe trinken als Herdentiere bevorzugt im Verbund. Als Faustformel gilt, dass etwa 10 Zentimeter Trogbreite pro Tier oder eine Trogtränke für jeweils 15 bis 20 Kühe zur Verfügung stehen müssen. Die Tränken müssen so im Stall verteilt sein, dass sackgassenfreie Laufwege ein ungestörtes Saufen auch für rangniedere Tiere ermöglichen.

Ein weiterer Praxisaspekt ist die Wassertemperatur: Kühe bevorzugen Wasser im Bereich von 15 °C bis 20 °C. Steigt die Temperatur in den Leitungen durch die Stallwärme über 25 °C an, sinkt die Attraktivität des Wassers und die Tiere nehmen weniger Flüssigkeit auf. Die Folge: Die Futteraufnahme sinkt weiter. In Kombination mit dem hitzebedingten Speichelverlust durch das Hecheln drohen dann schwerwiegende Stoffwechselstörungen wie eine subakute Pansenübersäuerung (Azidose). Eine durchdachte Wasseraufbereitung im Kuhstall sichert somit direkt die physiologische Grundversorgung der Herde ab.

Technische Kühlung und die mikrobiologische Gefahr in den Leitungen

Die modernen Ansätze zur Stallkühlung, wie sie in vielen Betrieben nachgerüstet werden, bringen neue Herausforderungen für die Stallhygiene mit sich. Bei Belüftungsschläuchen kann durch Temperaturunterschiede Kondenswasser entstehen, während Systeme zur Beregnung und Vernebelung feine Wassertropfen direkt in die Stallluft oder auf die Tierhaut abgeben.

Wird für diese Systeme oder für die reguläre Tränke mikrobiell belastetes Wasser genutzt, steigt das Infektionsrisiko für die Herde rasant. Hohe Stalltemperaturen und geringe Fließgeschwindigkeiten in den Rohrleitungen führen dazu, dass sich ein Biofilm schneller vermehrt. Dieser Schleimüberzug schützt pathogene Keime wie Colibakterien oder Salmonellen vor oberflächlichen Spülungen und beeinträchtigt den Geschmack des Wassers massiv. Mehr zum Thema Biofilm gibts hier.

Um diesen Biofilm sicher entfernen zu können, reichen temporäre Maßnahmen meist nicht aus. Da Tränkewasser rechtlich dem Futtermittelrecht unterliegt, müssen eingesetzte Desinfektionsmittel strengen Vorgaben entsprechen und für den Einsatz am Tier zugelassen sein. Ein kontinuierliches Verfahren zur Tränkewasser-Desinfektion greift diesen organischen Belag direkt an der Entstehungsstelle an.

In der Praxis bedeutet das: Das regelmäßige mechanische Putzen der Tränketröge durch den Landwirten bleibt weiterhin unerlässlich, um Futtereinträge und organischen Schmutz zu beseitigen. Teilweise kann dieser Aufwand aber reduziert werden. Der Aufbau von zähem Biofilm in der Tränke und die gesamte mikrobielle Belastung im System werden jedoch stark reduziert. Eine solche kontinuierliche Desinfektionswasseraufbereitung hält das Leitungssystem bis zum letzten Ventil hygienisch stabil.

Eigenerfassung optimieren: Eigene Brunnen fachgerecht nutzen

Um den enormen Wasserbedarf im Sommer wirtschaftlich zu decken, nutzen viele Milchviehbetriebe eigenes Brunnenwasser. Die Qualität von hofeigenen Brunnen schwankt jedoch oft erheblich und sollte regelmäßig per Laboranalyse überprüft werden. Häufig treten erhöhte Eisen- und Manganwerte auf, die zu einem bitteren Geschmack führen, den Kühe sofort ablehnen.

Brunnenwasser kann genauso wie Kommunalwasser eine gute Ausgangsquelle sein, muss aber selbstständig untersucht und kontrolliert werden. Laut allgemeinem Konsens kommen nur circa 5% der Keime im Kuhstall mit dem Wasser rein, der Rest entsteht in Tränke und Leitungen.

Ein wichtiger Nebeneffekt für die Praxis: Zu hohe Eisenwerte führen bei Hitze zu feinen Ausfällungen (Rostbildung durch Sauerstoffkontakt), welche die empfindlichen Düsen von Vernebelungsanlagen oder die Ventile der Tränken verstopfen können. Eine vorgeschaltete Filterung ist daher immer auch ein technischer Schutz für die gesamte Stalleinrichtung.

Ganzheitliches Wassermanagement vom Stall bis zur Weide

Ein effektives Hitzemanagement endet im Sommer nicht an der Stalltür. Durch den Klimawandel verlängern sich die Weideperioden unter oft trockenen und heißen Bedingungen, wodurch die Weidewasseraufbereitung zunehmend an Bedeutung gewinnt. Offene Weidetränken, die direkter Sonneneinstrahlung und organischen Einträgen ausgesetzt sind, neigen zu extremem Keim- und Algenwachstum. Auch im Außenbereich muss daher über gezielte Lösungen sichergestellt werden, dass die Wasserqualität nicht einbricht und Krankheitserreger nicht in die Stallherde verschleppt werden.

Technische Lösungen für die Praxis

Jeder landwirtschaftliche Betrieb hat aufgrund seiner geologischen Lage und der bestehenden Infrastruktur individuelle Anforderungen an die Wasserhygiene, allerdings lässt sich Biofilm in allen möglichen zusammensetztungen fast überall finden.

Die MK:N Lösung dafür ist die Atla Wasseraufbereitung. Das einsetzte Biozid HydroFit reduziert den Biofilm sofort und spaltet Mineralien auf.

Ziel dabei ist es, das wichtigste Futtermittel – das Wasser – sowohl im Stall als auch auf der Weide in konstant hoher Qualität und Menge bereitzustellen, um die Tiere in Hitzeperioden wirksam zu entlasten und die Betriebstechnik zu schonen.

Quellen

  • Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) Technische Maßnahmen zur Reduzierung von Hitzestress bei Rindern. Einblick in bauliche Lösungen, Ventilatorenausrichtung und Luftgeschwindigkeiten im Stall. Direkt zur Quelle

  • Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG e.V.) DLG-Merkblatt 498: Wasserversorgung für Rinder – Bauliche, technische und bedarfsgerechte Lösungen. Wissenschaftliche Richtwerte zu Tränkelängen, Durchflussraten () und dem temperaturabhängigen Trinkverhalten. Direkt zur Quelle

  • Netzwerk Fokus Tierwohl / Nutztierhaltung.de Hitzestress bei Milchkühen vorbeugen. Praxisleitfaden zum Herdenmanagement, zur Anpassung der Fütterung (Mineralstoffe/Salze) und den biologischen Auswirkungen des Temperatur-Feuchtigkeits-Index (THI). Direkt zur Quelle

  • Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) Beiträge zum Thema Stallklima in der Tierhaltung.Wissenschaftliche Validierung des THI-Schwellenwerts (Hitzestress ab einem THI von 68) und Verhaltensänderungen wie reduzierten Liegezeiten. Direkt zur Quelle