Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hat in Süddeutschland bei erkrankten Rindern ein neuartiges Virus nachgewiesen. Es handelt sich um ein Orthobunyavirus aus der Simbu-Serogruppe, das genetisch enge Verwandtschaft zum afrikanischen Shamonda-Virus aufweist.

Für Milchviehbetriebe ist der Erreger aufgrund von Milcheinbrüchen und Fieberschüben von hoher Relevanz. Nachfolgend sind die wichtigsten Fakten zu Übertragung, Behandlung und Prävention übersichtlich aufbereitet.

Übertragung und Infektionsweg: Wie verbreitet sich das Orthobunyavirus?

  • Hauptüberträger (Vektoren): Die Ansteckung erfolgt primär über den Stich blutsaugender Mücken der Gattung Culicoides (Gnitzen).

  • Sekundärübertragung: Eine direkte Übertragung von Rind zu Rind (über Speichel, Kot, Futter oder direkten Kontakt) ist nach aktuellem Wissensstand nicht nachgewiesen, aber auch nicht vollständig wiederlegt.

  • Mögliche Übertragung im Mutterleib: Eine vertikale Übertragung von der Kuh auf das ungeborene Kalb (intrauterin) ist möglich bzw. wird bei Trächtigkeiten vermutet.

  • Keine Zoonose: Eine Gefahr für den Menschen oder das Personal im Betrieb besteht nach derzeitigem Kenntnisstand nicht.

Symptome bei Milchkühen: Woran erkennen Landwirte die Infektion?

In betroffenen Beständen dauert die Krankheitsphase in der Regel 14 bis 21 Tage. Oft zeigt mehr als die Hälfte der Herde Symptome:

  • Fieber: Plötzlicher Temperaturanstieg (> 40 °C) über 1 bis 2 Tage.

  • Milchleistungsabfall: Vorübergehend deutlicher bis massiver Rückgang der Milchmenge.

  • Verdauungsprobleme: Wässriger Durchfall und Appetitlosigkeit (Inappetenz).

  • Krankheitsverlauf: Die Kühe erholen sich meist nach wenigen Tagen wieder vollständig; Todesfälle bei adulten Tieren wurden bislang nicht dokumentiert.

  • Risiko für Trächtigkeiten: Ob und in welchem Ausmaß das Virus Aborte, Totgeburten oder Missbildungen bei Kälbern verursacht, untersuchen das FLI und die regionalen Tiergesundheitsdienste derzeit intensiv.

Behandlungsoptionen: Was hilft bei betroffenen Rindern?

Eine ursächliche oder antivirale Therapie gegen das Virus existiert aktuell nicht. Auch ein zugelassener Impfstoff steht derzeit nicht zur Verfügung. Die Versorgung erfolgt rein symptomatisch:

  1. Fiebersenkung & Schmerzlinderung: Einsatz von Nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAIDs) nach Absprache mit dem Hoftierarzt.

  2. Elektrolyt- & Flüssigkeitsausgleich: Unterstützung bei starkem Durchfall zur Vermeidung von Dehydration.

  3. Pansenstabilisierung: Appetitanregende Mittel und leicht verdauliches Grundfutter zur Entlastung des Magen-Darm-Trakts.

4 Praxistipps für Landwirte

  1. Tierarzt hinzuziehen & Differenzialdiagnose stellen: Symptome wie Fieber oder Milcheinbruch ähneln der Blauzungenkrankheit (BTV) oder dem Schmallenberg-Virus (SBV). Eine Abklärung über EDTA-Blut- oder Serumproben via PCR kann aufschluss geben.

  2. Gnitzendruck im Stall senken: Aufstallung während der Hauptflugzeiten (Dämmerung und Nacht) schützt die Tiere.

  3. Luftbewegung nutzen: Der gezielte Einsatz von Stallventilatoren stört den Anflug von Gnitzen deutlich.

  4. Brutstätten minimieren: Pfützen, stehendes Wasser und feuchte Stellen auf dem Betriebsgelände reduzieren.

Quellen & weiterführende Links

 

Alle Angaben in diesem Artikel beruhen auf Informationen offizieller Quellen die am 11.08.2026 zur Verfügung stehen. Diese Informationen ersetzten keine medizinische Fachberatung. Beitragsbild KI generiert.